Das Werte- und Entwicklungsquadrat nach Schulz von Thun ist ein Modell zur Persönlichkeitsentwicklung, das Werte nicht als Gegensätze, sondern als Spannungsfelder beschreibt, in denen Entwicklung möglich wird. Ein Wert entfaltet seine konstruktive Wirkung nur in Ergänzung zu seiner sogenannten Schwestertugend; wird er entwertend übersteigert oder absolut gesetzt, kann er in problematische Formen kippen.
Beispielsweise entfaltet sich der Wert Durchsetzungsfähigkeit gut zusammen mit dem Wert Rücksichtnahme. Ohne Rücksichtnahme kann Durchsetzungsfähigkeit schnell als Härte oder Dominanz erlebt werden. Wird umgekehrt Rücksichtnahme übertrieben, führt das zu Anpassung oder Selbstverleugnung. Entwicklung entsteht, wenn beide Werte bewusst miteinander verbunden werden.
In diesem Online-Selbsterfahrungsseminar setzen wir uns mit diesen Dynamiken auseinander. Das Werte- und Entwicklungsquadrat wird dabei nicht nur theoretisch eingeführt, sondern als systemisches Denk-, Reflexions- und Selbsterfahrungsinstrument genutzt und für Beratung und Therapie anschlussfähig gemacht. Die Teilnehmenden lernen, Wertequadrate zu zeichnen, in Spannungsfeldern zu denken und sich selbst in diesen Bezügen zu verorten. Eigene Haltungen, wiederkehrende Muster und innere Konflikte werden so als kontextabhängige Dynamiken verständlich.
Wie profitieren Sie vom Seminar?
Nach dem Seminar verfügen die Teilnehmenden über ein vertieftes systemisches Verständnis des Werte- und Entwicklungsquadrats und können dieses sowohl für die Selbstreflexion als auch für ihr beraterisches und therapeutisches Handeln nutzen. Sie erwerben insbesondere:
Wie wird gearbeitet?
Das Seminar arbeitet in einem klar strukturierten Wechsel aus kurzen theoretischen Impulsen, angeleiteter Selbsterfahrung sowie gemeinsamer Reflexion. Die Arbeit erfolgt im Plenum, in moderierten Breakout-Räumen (BORs) und in Einzelarbeit. Eigene Fragestellungen der Teilnehmenden bilden dabei die Grundlage für die praktische Arbeit mit dem Werte- und Entwicklungsquadrat.
Der Fokus liegt auf systemischer Selbstbeobachtung, hypothesengeleitetem Denken und der Reflexion von Haltung in unterschiedlichen Kontexten. Die Selbsterfahrung ist eng an das Modell rückgebunden und wird durch klare Rahmung und gemeinsame Auswertung im Plenum integriert.
Zielgruppe:
Das Seminar richtet sich an Praktiker*innen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich, z. B.: Sozialarbeit, Pädagogik (Kindergarten, Schule u.Ä.), Seelsorge, Medizin, Pflege usw., die sich weiterentwickeln möchten.
Hinweis für Weiterbildungsteilnehmende "Systemische Beratung" und "Systemische Therapie": Dieses Seminar ist geeignet als Nachholseminar für die Module Bio 2, 3 und 4 – falls 10 UE verpasst worden sind.