Ein persönlicher Erfahrungsbericht - aus Dozentensicht

Workshop "Systemische Arbeit im Spannungsfeld von Person und Organisation"

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Ecken des Landes, aus unterschiedlichen beruflichen Kontexten, wirkten aber erstaunlicherweise überaus homogen auf mich. Mir wehte geballte Freundlichkeit entgegen, Aufmunterung und  offensichtlich grundlos gute Laune. Von Anfang an also konnte ich mich einfügen in ein gemeinsames Schwingen. Die Gesichter wirkten offen, neugierig, entgegenkommend und das ist doch schon mal ein wunderbarer Anfang  für einen Dozenten.

Und wie das von der Systemtheorie  teilweise so postuliert wird,  schloss  sich schließlich recht mühelos Kommunikation an Kommunikation und bildete sich zu einem alle Anwesenden berührenden Ganzen. Wir entwickelten, trotz der Kürze der Kommunikationszeit, ein von Humor getragenes  Resonanzfeld.
Eingebettet in dieses Feld, beschäftigten wir uns mit der Kunst der Hypothesenbildung, den möglichen Verwerfungen linearen Denkens und auch damit, woher überhaupt die Idee des Systemischen rührt.

Wir schlüpften in eine systemische Zeitmaschine und schauten  also auf kalifornische Terrassen (60er Jahre), reisten  in den einstmaligen Keller der Soziologen in Chicago (70er Jahre)  und diskutierten, was diese Fahrten  nun alles mit Organisationen zu tun haben könnten. Auch der Frage, ob Führungskräfte im systemtheoretischen Sinne Menschen sind, gingen wir nach und fanden zu erstaunlichen Schlussfolgerungen. Schließlich und endlich arbeiteten wir an gängigen und neu erfundenen Organisationsmetaphern. Wie  werden Organisationen heute gesehen? Sind es Zahnräder, in denen Menschen sich verfangen – wie  noch bei Charlie Chaplin und dem Film „Moderne Zeiten“? Welche Metaphern sind heute als Frames in unseren Köpfen vorhanden? Welche sind  geeignet, Organisationswirklichkeiten zu erfassen oder gar zu ändern?

Die Räume im Systemischen Zentrum indessen  taten das, was Räume eben  tun sollten, sie sprachen alle Personen überaus  an. Die Ansprache war so intensiv,  dass sich in der Mittagspause alle um den Tisch versammelten und gemeinsam  Essen zu sich nahmen.

In dieser Zeit, und das war für mich wohl das Überraschendste, schaute auch keine/r auf ein Smartphone. Wir etablierten damit eine Kultur des gegenseitigen Anschauens, anstatt einer Kultur des gesenkten Blicks. Letzten Endes wollte dann um 17.00h erst mal keine/r so richtig gerne gehen. Es war also, so zumindest mein Eindruck, ein wirklich gelungener Workshop.

Verfasser: Claus Triebiger