Nachlese zu den Infotagen am 15. und 16. März in Berlin und Hamburg

Systemische Beratung im Kontext von Traumata

Fachkräfte, die in ihrer täglichen Arbeit Beratungs- und Entwicklungsaufgaben wahrnehmen, brauchen besondere Qualifikationen und Kompetenzen, um im vielschichtigen Spannungsfeld von psychosozialen Problemlagen, familialen Beziehungskonstellationen und –dynamiken, in Konflikt- und Krisensituationen sowie nachpotenziell traumatisierenden Situationen professionelle Leistungen erbringen zu können.

Der Einladung zu den beiden Workshops in Berlin am 15.März und 16.März in Berlin und Hamburg mit Roman Hoch folgten in der Bundeshauptstadt 14, in der Hansestadt 20 an der Systemischen Beratung im Kontext von Traumata Interessierte. Ein Großteil der Teilnehmenden stammte aus der Arbeit mit Geflüchteten.
Thematisch standen konkrete Handlungsempfehlungen, praktische Methoden und eine grundlegende Definition des Begriffs „Trauma“ hoch im Kurs.

Darüber hinaus interessierten sich die Teilnehmenden für Inhalte systemischer Beratung sowie Schnittstellen zwischen Systemischer Beratung und Traumaberatung.

Beispielhafte Fragen waren:
- Wo fängt ein Trauma an?
- Trauma im Kontext mit Geflüchteten. Gibt es hier Besonderheiten?
- Wie komme ich an einen Menschen mit Traumatisierungserfahrung so weit heran, dass er sich öffnen und über seine Erfahrung sprechen kann?
- Wie sieht eine traumasensible Gesprächsführung aus?
- Was sind die Inhalte einer systemischen Beratung?

Linear-kausales Weltbild versus systemisches Weltbild
Dozent Roman Hoch erläuterte die Grundlagen der Kommunikation. Diskussionen zum Konstruktivismus schlossen sich an: Was ist ein linear-kausales Weltbild (=so ist die Wirklichkeit) und wodurch zeichnet sich demgegenüber das systemische Weltbild (= individuell konstruierte Wirklichkeit) aus?

In einer kurzen Übung wurden dann noch die Unterschiede zwischen der Inhalts- und der Beziehungsebene verdeutlicht. Anschließend lernten die Teilnehmenden nützliche, non-verbale Kommunikationsfaktoren (Stichwort: Körpersprache) kennen – praktisch für die Regulation von Spannungen im Beratungssetting sowie zum sensiblen und empathischen Beziehungsaufbau. Sie erfuhren auch, was es mit dem transgenerationalen Standard TIC (Trauma Informed Care) auf sich hat und die damit verbundenen Dos und Don’ts im Rahmen von vermittelter Haltung und innerer Einstellung: Welche Haltungsaspekte sind hilfreich und im eigenen Arbeitskontext anwendbar? 

Roman Hoch bot auch einen ersten Einblick in die Prozesssteuerung im Rahmen der systemischen Beratung. Diese gelingt, wenn folgende Schritte beachtet werden: 

- Anliegen des Klienten/der Klientin klären
- Transparenz schaffen: Eigene Arbeitsweise/Methodik erläutern, Freiwilligkeit der Teilnahme betonen
- Offensive Transparenz – als nützliche Haltung und Mittel zur Prozesssteuerung und Rollenklärung

Dem Thema Sicherheit in der Systemischen Beratung räumte Roman Hoch höchste Priorität ein. Zur Stabilisierung der Klientinnen und Klienten gelte es

- für Sicherheit durch Identifikation und Regulation von (zu) hohen, emotionalen Spannungsniveaus zu sorgen                                                                                       - Ressourcen als Anker in der Krise zu finden und als Gegengewicht zu emotional belastenden Zusammenhängen einzusetzen und Muster zu unterbrechen.

Die Beratenden und Helfenden wiederum sollten im Rahmen der Selbstfürsorge auf
- eine dezidierte Rollenklärung achten, eigene Grenzen kennen und eigene Ressourcen stärken.