Beispiel aus der Coaching-Praxis:

Wie auch einfache Coaching-Fragen Klient*innen weiterbringen können

Eine meiner ersten Klientinnen war eine Frau, die sich aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit beruflich nochmal umorientieren wollte, und daher zu mir ins Coaching kam. Ziel für das Coaching war, wieder ein Berufsfeld zu finden, in dem sie gerne und sinnvoll arbeiten will.

Nachdem der Begriff „Berufsfeld“ genauer hinterfragt wurde, was ihr denn Spaß mache und als eine sinnvolle Arbeit erachte, entwickelte die Klientin Berufsbilder, die von Kleintierpflege / -haltung bis hin zur Teamassistenz für Vorstände reichte.

Da ich wusste, dass sie sich für den Tierschutz sehr engagiert, fragte ich, ob man die beiden Berufsfelder nicht auch kombinieren könne, da sie viel Erfahrung als Teamassistentin hatte. Erst verwirrte sie der Gedanke, doch dann erinnerte sie sich, dass in einem Tierheim, welches sie kannte, die Bürokraft als Selbstständige eine Kombination aus Büro und Tierversorgung macht.

Auf meine einfache Frage hin, ob sie sich das für sich auch vorstellen könnte, schossen der Klientin Tränen in die Augen, da sie, wie sie mir dann berichtete, sich schon vor Jahren als Allrounderin für Büroarbeiten selbstständig machen wollte, und dies einem Tierheim, oder einem Bio-Bauernhof anzubieten.

Auf meine Frage hin, ob irgendwas jetzt im Wege steht, diese Idee umzusetzen, brach es förmlich aus ihr heraus, dass sie jetzt nichts und niemand mehr daran hindern werde. Sie hatte sich schon damals sehr konkrete Gedanken diesbezüglich gemacht, sogar schon einen Businessplan geschrieben, Marketingstrategien entwickelt. Ab diesem Augenblick - der Frage nach der Möglichkeit einer Kombination der Berufsfelder und was sie jetzt daran hindern könne, ihren ursprünglich gefassten Plan in die Tat umzusetzen – erlebte ich sie wie ausgewechselt. Mit höchstem Elan ging sie mit mir bei der nächsten Sitzung ihre alten Unterlagen durch, ich „klopfte“ mit weiteren Fragen die konkreten Möglichkeiten und weiteren Schritte ab, ermutigte sie „ihren Traum“ wie sie es nannte, in die Tat umzusetzen.

Das Coaching endete, als sie mir berichtete, mehrere Kunden als freie Büroassistenz gewonnen zu haben, unter anderem auch eine Tierarztpraxis f. Kleintiere, in der sie „den Laden schmeißt“.

Da ich bislang nichts mehr von der Klientin gehört habe, gehe ich davon aus, dass sie weiterhin mit ihrer Arbeitssituation zufrieden ist.

Hund im Büro

(Bildquelle: Lum3n.com/Pexels)

(Autor: Jürgen Andrae, Systemischer Coach und Business Coach, Dozierender am Systemischen Zentrum)