Alles was recht ist...

Systemische Beratung: Wie kann sie die Gerichtshilfe unterstützen?

Die Gerichtshilfe ist ein Sozialer Dienst der Justiz. Ausgeübt wird die personenbezogene Dienstleistung von diplomierten Sozialarbeiter*innen oder Mitarbeiter*innen mit vergleichbarer Qualifikation. Diese stehen vor einer besonderen Herausforderung: Sie müssen die Menschen, die von den gesellschaftlichen Regeln und Normen abgewichen sind, resozialisieren und sie wieder mit den normativen Erfordernissen unserer Gesellschaft in Einklang bringen.

In der Praxis macht sich dieser Anspruch durch die Angleichung und Abstimmung von Bedürfnissen zahlreicher Systeme wie Angehörige, Öffentlichkeit, Forschung, Lehre, Politik und auch der Wirtschaft bemerkbar. Mit dem „inneren Ticken“ dieser verschiedenen Gruppen haben die mit der Gerichtshilfe Betrauten zu arbeiten, um Resozialisierungsprozesse erfolgreich abschließen zu können. Ihre Ausgangslage ist komplex. Und hier kommt der Systemische Ansatz als Instrumentarium für die Gerichtshilfe ins Spiel: Systemisches Denken und Handeln zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, mit komplexen Ausgangslagen auf praktischer Ebene arbeiten zu können.

In der modular aufgebauten Weiterbildung „Systemische Beratung“, wie sie am Systemischen Zentrum angeboten wird, erwerben Teilnehmende

  • im ersten Jahr Methoden und theoretische Kenntnisse, mit denen sie Ausgangslagen analysieren und entsprechend passfähige Interventionen ansetzen können
  • im zweiten Jahr vertiefen sie diese Fähigkeiten vor allem durch Lehrsupervisionen, in denen sie von den Fallvorstellungen der Kurskolleginnen und -kollegen lernen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Einblicke in die Tiefenstrukturen von Systemen unterstützen sie dabei, die eigene tägliche Arbeit zu professionalisieren. 

Fazit: Für das Arbeitsfeld der Gerichtshilfe ist eine ganzheitliche Betrachtung der Betroffenen und die Berücksichtigung ihres psychosozialen Umfelds unerlässlich. Das juristische System kann vom Know-how der systemisch Geschulten nur profitieren. Denn Systemische Berater*innen können die verschiedenen Sprachen einer Gesellschaft nicht nur deuten, sondern sie auch in der Handlungspraxis anwenden. Den straffällig Gewordenen leisten sie wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe: Diese lernen, ihre eigenen Ressourcen zu erkennen und zu nutzen – für ein Leben des guten Gelingens.