Systemische Buchempfehlung von Claus Triebiger

Harald Welzer: Alles könnte anders sein"

Harald Welzer macht sich Gedanken über unsere Zukunft. Als Sozialpsychologe, Hochschullehrer, Autor und Direktor der Stiftung "Futurzwei" ist das sein Job.

Mit Lego die Welt retten. Auf diese Idee kommen in der Regel 5-jährige Jungs in ihren Kinderzimmern – aber auch der Sozialpsychologe und Zukunftsforscher Harald Welzer. Für Kinder reichen ein paar einfache Kunststoffsteine mit Noppen, und fertig ist die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Vorausgesetzt, die Kinder haben Phantasie.

Welzers Lego besteht aus Grundbegriffen wie Autonomie, Arbeit, Nachhaltigkeit, Solidarität, Zeit, Freundlichkeit und so weiter. Insgesamt 17 Begriffe, die wir alle kennen und teilweise leben. Aber erst richtig kombiniert bilden sie das Fundament einer "modernen Gesellschaft", schreibt Welzer in seinem neuen Buch "Alles könnte anders sein":

Harald Welzers Utopie basiert darauf, dass relativ wenig Neues dazukommt. "Aber in dem Moment, wo man es versucht, anders anzuordnen", erklärt der Zukunftsforscher, "entsteht plötzlich ein anderer Bau, eine andere Konstruktion der modernen Gesellschaft."

Eine Revolution in kleinen Schritten

Welzer entwirft eine Art Modul-Revolution, eine Revolution der kleinen Schritte, die aber erst im Ganzen betrachtet volle Wirkung entfaltet. So träumt er von einer Zukunft, in der die Erkenntnis gereift ist, dass es kein grenzenloses Wachstum auf einem begrenzten Planeten geben kann.

Eine Zukunft, in der es Städte ohne Autos gibt, in der Menschen ein Grundeinkommen haben, Grenzen verschwinden, Schulen statt formaler Bildung soziale Intelligenz vermitteln. Eine Zukunft, in der Hyperkonsum Geschichte ist und Nachhaltigkeit der neue Realismus.

Darüber hinaus will Welzer die digitale Technik künftig sinnvoll einsetzen und den Wert von Arbeit neu definieren. Es müsse Schluss sein mit der Fetischisierung von Arbeit, nur weil sie Lohnarbeit ist: "Das ist Blödsinn. Das macht die Leute unglücklich." Und hier bringt der Zukunftsforscher die digitale Technik, die Roboterisierung und Automatisierung ins Spiel. Sie könnte helfen, uns von schlechter Arbeit zu befreien: Wenn niemand mehr schlechte Arbeit machen muss, dann ist das doch ein zivilisatorischer Gewinn und übrigens eine Freisetzung von viel sinnvolleren Sachen.
Alles könnte anders sein